Ein Beispiel für mitverantwortliches Leben im Alter
Der Cellist und Dirigent Pablo Casals, der 96 Jahre alt wurde, hat mit 90 Jahren seine Erinnerungen aufgezeichnet. Diese Erinnerungen beginnen mit einer Reflexion über das Alter. Dieses charakterisiert Pablo Casals wie folgt:
- "Alter ist überhaupt etwas Relatives. Wenn man weiter arbeitet und empfänglich bleibt für die Schönheit der Welt, die uns umgibt, dann entdeckt man, dass Alter nicht notwendigerweise Altern bedeutet, wenigstens nicht Altern im landläufigen Sinne. Ich empfinde heute viele Dinge intensiver als je zuvor, und das Leben fasziniert mich immer mehr."
- "Sich zur Ruhe setzen, heißt für mich soviel wie sich zum Sterben anschicken. Ein Mensch, der arbeitet und sich nicht langweilt, ist auch nicht alt. Nie im Leben! Arbeiten und sich für Dinge interessieren, die Interesse verdienen, sind die besten Heilmittel gegen Alter. Jeden Tag fühle ich mich wie neugeboren, jeden Tag fange ich wieder ganz von vorne an."
Pablo Casals emigrierte 1939 aus seiner Heimat Katalonien. Seine Erinnerungen enden mit seinem Beitrag zur Demokratie:
- "Die einzigen Waffen, die ich hatte, waren mein Cello und mein Taktstock, und ich habe sie, so gut ich konnte, eingesetzt, um die Sache zu unterstützen, an die ich glaube - die Sache der Freiheit und Demokratie."
- "Vielleicht werde ich Katalonien nie wieder sehen. Jahrelang hatte ich geglaubt, die Freiheit werde in mein geliebtes Vaterland zurückkehren, ehe ich sterbe. Nun bin ich nicht mehr so sicher. Der Tag wird kommen, das weiß ich, und dieses Wissen erfüllt mich mit Freude."
- "Ich sehe dem Tod ohne Furcht entgegen. Doch schmerzt mich, die Welt verlassen zu müssen, deren Zustand so traurig ist."
(Aus: Stärken des Alters erkennen und nutzen. Rede von Andreas Kruse vom 3. September 2006 in Halle.
Prof. Kruse ist Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg,
Kollaborationszentrum der WHO, Vorsitzender der Altenberichtskommission der Bundesregierung)